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Forschungsprofil - Literaturwissenschaftliche Abteilung

Literatur, Film und Raum in der französischen Kultur der späten Moderne

Die literaturwissenschaftliche Abteilung realisiert und koordiniert Untersuchungen zur Gestaltung urbaner und mobiler Räume in der französischen Kultur der späten Moderne. Mit Rücksicht auf die seit einigen Jahren bemerkbare „topographische Wende“ in den Kultur- und Sozialwissenschaften nimmt die Abteilung an Hand literarischer und filmischer Repräsentationen öffentliche Räume in den Blick, die im Frankreich des 20. Jahrhunderts zu wichtigen Erfahrungsbereichen werden: die Parks, Cafés und Bahnhöfe der Metropole Paris, deren Peripherie von der „banlieue“ bis hin zu den „villes nouvelles“ sowie vor allem die Verkehrsnetze und Transportmittel, welche die Hauptstadt mit ihrem Umland verbinden. Obwohl es sich dabei in der Regel nicht mehr um identitätsstiftende „Erinnerungsorte“, sondern vielmehr um austauschbare „Nicht-Orte“ handelt, weisen sie dennoch kulturspezifische Charakteristika auf, wie etwa der kaum übersetzbare Begriff des „terrain vague“ belegt. Besonderes Profil gewinnen solche Charakteristika in Texten und Filmen, die städtische Orte oder Transporte in Szene setzen. Ihre Erschließung wird vor allem drei Kontexte zu beachten haben: raumkonstituierende Techniken und Praktiken wie den Parcours des Flaneurs oder die Inventur des Chronisten, wobei dem ‚exzentrischen’ Blick von Migranten aus der frankophonen Welt besondere Aufmerksamkeit gelten soll; ferner theoretische Konzepte wie die „symbolische Domestikation“ oder die „soziale Produktion“ des Raumes; schließlich literarische und photographische Traditionen des 19. Jahr­hunderts, in die sich auch neuere Repräsentationen des städtischen Raumes einschreiben.

In diesem Rahmen situiert sich das Forschungsprojekt „Espèces d’espaces“, das am Beispiel ausgewählter urbaner und mobiler Orte (Bahnhof, Métro, terrain vague) Formen und Funktionen solcher Raummodellierung untersucht. Es kann aufbauen auf raumbezogenen Analysemodellen für Texte und Filme, die im Rahmen der interdisziplinären Münchener Arbeitsgruppe „Raum — Körper — Medium“ entwickelt und in Veranstaltungen an der Universität zu Köln weiter ausgebaut wurden.